Monthly Archives: August 2012

Free2Play – Fluch oder Segen?

Die Gamescom ist vorbei. Tausende deutsche und internationale Gamer durften dort die neusten Produktionen renomierter Spieleschmieden bestaunen. Ich war persönlich nicht anwesend, habe aber die Berichte im Web verfolgt. Ein Begriff fiel hierbei sehr häufig, für meinen Geschmack vielleicht sogar zu oft: Free2Play.

Sehr viele Entwickler und Publisher setzen bei vielen neuen Produkten auf die Vermarktung durch Free2Play. Man kauft sich das Spiel nicht, sondern man kauft sich über sog. Microtransactions Kleinigkeiten im Spiel, das grundsätzlich kostenlos zum Download steht und gespielt werden kann. Ich persönlich unterscheide dabei gerne zwischen “echtem” Free2Play und Free2Play mit Pay2Win. Letzteres führt dazu, dass Spieler, die Geld bezahlen einen spielerischen Vorteil gegenüber den nicht-zahlenden Kunden haben.

 

Bezahl mich, oder verliere! – Kaufrausch gegen den Gamefrust

Pay2Win gibt es in vielen Bereichen. In gewisser Weise, ist zum Beispiel Diablo3 ein Pay2Win Beispiel, obwohl es NICHT Free2Play ist. Auch viele kompetitive Browsergames dieser Zeit sind auf Pay2Win ausgelegt, denn ohne Echtgeld zu investieren, hat man in den verschiedenen Spielwelten kaum eine Chance wirklich erfolgreich zu sein. Ladders, Freundeslisten und PVP schaffen hier einen Anreiz, möglichst gut sein zu wollen – um dies zu erreichen bedarf es dann auch monetärer Aufwendungen. Ich habe noch nie in einem Browsergame Geld für derartige Boni ausgegeben und werde es auch nicht tun. Im Clientbereich auf den PC gab es bisher relativ selten wirkliche Vorteile zu kaufen (Waffenpacks z.B., für die andere teils Monate fürs Freispielen brauchten).

 

Pay 2 be cool! – Oh, it’s shiny!

Dann gibt es Free2Play Games, die sich über optische Verbesserungen finanzieren. Man kauft keine Vorteile, sondern lediglich Optische Upgrades für ansonsten frei verfügbaren Content. League of Legends ist ein Beispiel dafür. Man kann sich alle Helden erspielen ohne einen Cent auszugeben (auch wenn man Helden freikaufen kann um Zeit zu sparen – den Held zu besitzen bedeutet aber nicht, dass man ihn spielen kann) – damit die Helden aber richtig cool aussehen, muss man Geld bezahlen und kann sich dann verschiedenste Skins für seinen Lieblingshelden kaufen. Ein System mit dem Riot Games auch von mir bereits einiges an Geld gemacht hat. Ich unterstütze gerne, wenn Ich für etwas bezahle, was mir Spaß macht, ohne dass ich frustriert sein muss, wenn ein Gegenspieler sich noch mehr gekauft hat, denn er hat keinen spielerischen Vorteil dadurch.

 

I’m hooked! – Wo ist der Haken?

Free2Play ist toll – keine Frage. Die meisten Spieler, die ein Free2Play Spiel ernsthaft spielen, geben am Ende weitaus mehr Geld für das Produkt aus, als hätten sie einmalig 40-50€ auf den Tresen gelegt. Der Publisher spart sich meist ausserdem teure Kosten für Spielepackungen und das Vermarkten des Produkts sollte auch einfacher sein, wenn potentielle Spieler das Spiel einfach runterladen können und direkt loslegen. Wo ist also das Problem?

Das Problem kann man beim nochmaligen Lesen der letzten Zeilen ganz einfach erkennen: Nahezu alle Vorteile liegen NICHT beim Kunden. Der große Vorteil für Kunden, dass sie das Spiel gratis spielen können, wird aber zumeist durch die verminderte Spielqualität, wenn man wirklich gratis spielt, gemindert. Versteht mich hier bitte nicht falsch: Free2Play können großartige Spiele sein und nur weil es kostenlos ist, muss es nicht schlechter sein als ein konventionelles Kaufspiel – das Problem liegt bei Spielen, die ihr wahres Potential erst bieten, wenn man viel Geld investiert.

 

Open the floodgates!

Das andere große Problem bei Free2Play ist die Spielerbindung. Wenn ich ein Free2Play Spiel spiele, höre ich sofort auf, wenn es anfängt mich zu nerven – meist denke ich danach nie wieder an das Spiel, egal wie gut es sein könnte. Während ich früher auf Grund von Tests oder Berichten von Freunden in Vorleistung ging und im Laden ein neues Spiel erstand, habe ich dieses Spiel meist auch richtig gespielt – trotz Bugs oder nervigen Quests, die ich am liebsten übersprungen hätte. Durch die Flut an Neuen und weiteren (und zumeist auch ähnlichen) Free2Play Titeln verwäscht sich der Markt selbst zu einem schwammigen Einheitsbrei. Spieler sind wesentlich freier in der Wahl dessen, was sie spielen, denn sie sind nichtmehr durch den Geldbeutel dazu limitiert nur wenige Spiele pro Jahr zu spielen. Allerdings verschwinden damit auch potentielle Superhits in einer Masse an anderen Spielen, die den Markt überschwemmen. Die überwältigende Auswahl an kostenlosem Spielzugang führt zu höherer Fluktuation zwischen den Spielen und Communities, die z.B. Counterstrike früher so enorm stark werden ließen, oder aktuell auch DayZ. Schon wenige Monaten nach dem ersten Hype um DayZ wurden bereits mehrere “Zombieklone” angekündigt. Größtenteils natürlich Free2Play. Ähnliches lässt sich bei den Moba Games (League of Legends, DotA2, HoN, etc.) betrachten. Während League of Legends inzwischen zum meistgespielten Onlinegame dieses Planetens wurde, wollten und wollen immernoch viele auch ein Stück vom Kuchen abhaben. Doch wie lange ist die Lebensdauer eines solchen Titels, wenn er nicht gerade ein Blockbuster von Valve ist. Die meisten Free2Play Titel, die so entstehen, führen ein Nischendasein. So passierte es auch bisher jeder World of Warcraft Konkurrenz – egal wieviele Millionen in das Projekt gepumpt wurden – sie endeten als Free2Play Nischenspiel-MMO, dass gerade so über die Runden kommt. Bestehende Communities (WoW, LoL, etc.) dominieren den Markt – kopierende, teils einfallslose Konkurrenz verschwindet im Nischendasein. Free2Play wird dies in großen Teilen verschlimmern.

 

Let’s play some Monopoly! – Der Markt und seine Opfer

Wer heute ein Spiel mit Free2Play System auf den Markt wirft, hofft auf Quantität statt auf Qualität bei den Spielern. Er will keine große Community um das Produkt aufzubauen, er braucht keine großen Enthusiasten als Fans – UND er will vermutlich einfach nur relativ schnelle Erfolge für sein Produkt – wenn der Erfolg ausbleibt, hat man ja noch 2-3 andere Free2Play Spiele des selben Systems in der Warteschleife. Neben den großen Monopolisten im Onlinegaming LoL und WoW platzieren sich viele der Anderen freiwillig in eine Nische, mit der Anforderung lang genug zu überleben, um Gewinn abzuwerfen. Kaum jemand spielt freiwillig in einem kleinen Onlinegame allein, wenn seine Freunde bei einem der Großen mitspielen. Mundpropaganda und soziale Zwänge waren es, was Farmville einst so stark machte – wobei dieser Erfolg von Zynga darauf beruht(e), dass ihre kleinen Spiele ein quasi-Monopol auf Facebook besaßen. Heute hauen Facebookspiele doch Keinen mehr vom Hocker und das Überangebot an x-ville Klonen ist eher ermüdend als aufbauend. Das Selbe droht jetzt auch dem Clientbereich.

Nun mögen viele Entwickler und/oder Publisher nun sagen: Der Markt bekommt das, was er verdient. Natürlich haben Blockbuster wie WoW und LoL über Jahre die Spieleindustrie revolutioniert und verändert. Wenn Jemand 10-13€ im Monat für World of Warcraft zahlt, dann wird er eher nicht dazu bereit sein, auch jeden Monat die neusten zwei Releases von EA zu kaufen und das neue Spiel von Ubisoft. Es fehlt vielleicht nichtmal an der Kaufkraft, sondern schlichtweg an der Zeit. Wenn der Mensch 8h täglich schläft, 8h arbeitet und mindestens 4h Hausarbeit, Einkäufe etc. erledigt dann bleibt eben nicht mehr viel Zeit für mehr als ein Spiel. Wenn jemand über Monate mit  seinen Freunden in League of Legends verschiedenste Helden gekauft hat und diverse Skins, so wird er eher nicht zu DotA2 wechseln und sein LoL Investment einfach in der Ecke liegen lassen.

 

The Internet has bored me, take it away immediately…

Viele Spieler sind an ihr aktuelles Spiel gebunden, sei es durch finanzielles oder soziales Commitment. Um dieses Commitment zu lockern und die wertvolle Spielzeit von den großen Marken abzuziehen, bedarf es kreativer, neuer Ideen und einer ganz besonderen Qualität. Leider scheint mir, dass die meisten Entwickler nicht mehr bereit sind, diesen Kampf gegen das Establishment weiterzuführen und wirklich etwas Frisches zu präsentieren.  Nur weil man alte Ideen als Free2Play neu verwirklicht, macht es diese alten Ideen nicht wieder spielbarer – aber dies ist vermutlich auch nicht der Anspruch – leider. Free2Play verleitet anscheinend dazu, Spielequantität vor Qualität zu setzen. Während man früher die 50€ oder 100DM für ein Spiel irgendwo rechtfertigen musste vorm Kunden, so ist bei Free2Play kein Realwert da, den der Kunde einfordern kann – stattdessen baut man darauf, irgendwen (am Besten so viele wie möglich) zu finden, dem das Spiel so gefällt, wie es eben ist. Und von diesen Spielern sollen ein paar Wenige dann auch bereit sein, Geld zu zahlen – manchmal auch einfach nur, damit das Spiel komplett spielbar ist und alle Features auch nutzbar.

 

Same sh*t, different game…

Ich persönlich bin Idealist, was Spiele angeht. Ich bin mit Spielen aufgewachsen und habe sehr viel gespielt. Einer der Gründe, wieso ich aktuell nicht in der Spielebranche arbeite, ist auch, dass ich zu idealistisch denke und arbeite. Ich möchte kein halb-gares Produkt bauen, dass dadurch, dass es die Spieler nervt Gewinn erzeugt (Pay2Win). Ich würde viel lieber an einem Spiel arbeiten, dass durch Spielspaß und enthusiastische Fans Gewinne einbringt, wo die Leute es Spielen, weil sie Spaß daran haben. Ich würde gerne frische, neue Ideen umsetzen und nicht Ideen umsetzen, die eh schon da waren, nur anders aussehen.

 

The price to play…

Für mich ist Free2Play ein Fluch, da die Spiele danach entwickelt werden, wie sich Spielinhalte am besten vermarkten lassen, statt danach, ein wirklich gutes Spiel abzuliefern. Ich hätte gerne ein sauberes, klares Spiel, dass von jeglichen Kosten abgekoppelt ist (ausser des Kaufpreis’) als ein Spiel, dass alle 5-10 Minuten von mir verlangt, Geld auszugeben. Wurde vor Jahren Werbung in Spielen als Skandal angesehen, wird es aktuell zur Norm, das Spiel selbst als einzige große Werbeplattform zu benutzen – inklusive Shop, in dem man die angepriesene Ware kaufen kann.

 

Fazit

Free2Play ist ein Segen für viele Entwickler und Publisher, die anscheinend keine Chance sehen auf einem Markt mit wenigen Blockbustermarken, ihr Produkt wirtschaftlich positiv zu platzieren. So wird aus dem Spiel ein Verkaufsshop und aus dem Verkaufsshop ein Free2Play Spiel.

Für die meisten Spieler ist Free2Play ein zweischneidiges Schwert – und beide Schneiden tun weh. Einerseits stärkt es die etablierten Marken durch den Einheitsbrei an Free2Play Produkten, andererseits sinkt die allgemeine Qualität der verfügbaren Spiele durch die zwangsweise Verknüpfung von Monetarisierung und Gameplay.

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Wenn Männer Frauen nachpfeifen…

Es fing Gestern an mit einem relativ harmlosen Tweet:

Ich fand den Tweet interessant. Ich persönlich kannte zwar den Begriff des Street Harassment, aber es war für mich das erste Mal, dass Ich wirklich einer Frau ‘begegnete’, die es stört, wenn ein Mann ihr nachpfeifft und anscheinend wirklich ein Problem damit hat. Ich entschied mich ein wenig nachzubohren. Ich persönlich habe kein Problem, wenn Männer einer Frau nachpfeiffen – es ist eine Art auszudrücken, dass man die Frau attraktiv findet – wenn auch extrem plump und primitiv, so kann man mit einem Zwinkern vl. sogar ein Kompliment darin entdecken. Wenn nicht, dann kann man es als das hinnehmen, was es ist – ein Ausdruck von Gefallen.

Okay, zugegeben – Ihr vorzuschlagen, es als Kompliment zu sehen, war nicht wirklich durchdacht – natürlich würde eine Frau, die sich selbst Feministin nennt nicht akzeptieren, dass Männer ihr Komplimente machen wollen. Aber mein Interesse war geweckt.

Was genau stört eine Frau eigentlich daran?

Ich hatte hier also eine Frau, die sich wirklich dran störte, wenn ihr Männer hinterherpfeifen. Für mich als interessierten, weltoffenen Mann war das natürlich ideal um mehr zu erfahren.

Auf Nachfrage, was es denn sonst sei, ob es eine Beleidigung sei – oder vl. sogar ein Angriff auf ihre Persönlichkeit, wurde ich auf Google verwiesen – ich solle doch Street Harassment googlen. Interessant. Ich frage nach der persönlichen Meinung und werde zu Google geschickt. Ein Link zu ihrem Blog wäre wenigstens ein Link zu ihrer persönlichen Meinung gewesen. Ich wollte nicht die Meinung irgendwelcher Authoren und anderer Blogger.

Weitere Ausflüchte:

Ich muss hier zugeben, irgendwo in diesem Gespräch war Ich dann auch genervt, weil keine Frage beantwortet wurde und dauerhaft ausgewichen wurde. Das ist wie wenn du einen radikalen Christen fragst, wieso er an Gott glaubt und er dir eine Bibel hinlegt, damit du sie liest. Ich will die persönliche Meinung zu diesem Thema und keine vorgebeteten Texte anderer Prediger. Also bohrte ich weiter nach. Leider ohne wirklichen Erfolg.

Ja, ich muss zugeben – 140 Zeichen sind sehr wenig um soetwas ausführlich darzustellen. Ich hätte nur gerne einen oder zwei plausible Gründe gehabt, wieso Sie persönlich sich angegriffen fühlt. ‘Es geht meist um das wie’ ist allgemein, ‘meist’ … also wird ihr häufig nachgepfiffen und dann auf verschiedene Art und Weise – oder spricht sie wieder von den Meinungen anderer, was Street Harassment ist und was nicht?

Es ist ihr also egal was diese Menschen von ihr halten. Es ist ihr egal, ob diese Leute zu ihr gehen und ihr sagen, dass Sie attraktiv ist – oder ob diese Leute ihr nachpfeifen. So egal, dass sie sich bei Twitter darüber beschwert. Ist es vielleicht einfach nur, weil sie eine feministische Lehre vertritt, in der eben gepredigt wird, dass Männer, die Frauen nachpfeifen böse sind? Ist es vielleicht garnicht ihre eigene Meinung, die Sie da vertritt? Eine weitere Nachfrage wieso es sie stört, wurde mir so beantwortet:

Sie kennt also die Intention der Leute, die ihr da nachpfeifen. Sie weiß, wieso ihr nachgepfiffen wurde. Vielleicht aus jugendlichem Leichtsinn, vielleicht, weil sie als Frau attraktiv ist oder zumindest äusserlich so wirkt. Auf Nachfrage, ob Sie die Leute denn auf die Intention des Pfeifens anspricht oder schlichtweg mutmaßt, kommt eine letzte Ausflucht:

Statt eine Antwort zu bekommen, wurde mir ein weiteres Mal eine Bibel vor die Füße geworfen – zu Gott habe ich immer noch nicht gefunden – und statt Ahnung, vermittelte diese Feministin genau das, was ich bei vielen Anhängern irgendwelcher Ismen sehe. Sei es Feminismus, Faschismus, AntiFaschismus, Sexismus, religiöser Fanatismus, etc.

Man hat eine Meinung, weil man eine Meinung vorgesagt bekommt. Man betet diese Meinung Anderen vor und entweder man denkt nicht selbst, oder man nimmt es als gegeben hin, dass es so ist wie es ist. 

Hier wurde anscheinend jemandem erfolgreich beigebracht, dass es böse ist, wenn Männer einer Frau auf der Strasse nachpfeifen. Persönlich kann diese Person keine treffenden Gründe anbringen, wieso es Sie wirklich stört – denn eigentlich ist es ihr egal. Doch weil sie sich selbst Feministin auf die Fahnen schreibt, muss sie natürlich auch so handeln, wie viele Menschen es ihr vorleben und vorbeten. Das Internet ist da ein super Ort – wenn man eine Meinung haben will, findet man sie auch – und dann hat man ja etwas, woran man sich festhalten kann.

P.S.: Ich bin nichtmal Befürworter vom ‘Hinterherpfeifen’ – Ich selbst habe in meinem Leben noch keiner Frau auf der Straße nachgepfiffen und sehe auch keinen Grund dafür. Es finde es ehrlich gesagt ziemlich primitiv.

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