In guter Gesellschaft…?

Guten Abend,

Mein letzter Beitrag war absichtlich sehr kurz gehalten und hat wirklich übermäßig stark dargestellt, wieso erfolgreiche Frauen und Mütter eine Bereicherung für unsere Gesellschaft sind. Es gibt auch eine andere Seite und hier möchte ich über diese schreiben.

Wie in jeder Diskussion und bei jedem polarisierenden Thema, gibt es viel mehr Grautöne als klare Schwarz & Weiß Meinungen.

Ich habe absichtlich überspitzt in der Antwort an Herrn Wagner darzustellen versucht, wieso arbeitende, erfolgreiche Mütter eine Bereicherung für unsere Gesellschaft sein können. Die andere Seite der Medaille ist allerdings, dass es kaum mehr Mütter gibt, die es sich überhaupt leisten können, nur auf ihre Kinder aufzupassen und sich um diese zu kümmern. Durch die aktuelle Gehaltssituation in Deutschland und den politisch verschärften Zwang zur Arbeit ist es nahezu unmöglich geworden, den Lebensstil als Vollzeit-Mutter zu führen, auch wenn man gerne wollte.

Zur Selbstverwirklichung gehört hierbei eben auch, Müttern die Möglichkeit zu geben, sich in der Familie zu verwirklichen – dies ist wirklich nahezu unmöglich geworden. Es geht hier nicht um Betreuungsgeld oder Kindergeld, es geht schlichtweg darum, dass früher der Mann als Partner in einer Beziehung/Ehe eine durchaus realistische Chance hatte, seine Familie mit Hausfrau und 1-3 Kindern zu ernähren. Heutzutage ist dies ohne einen Job in der oberen Mittelklasse nahezu unmöglich geworden. Es ist schlicht für viele potentielle Eltern unmöglich, sich ein Leben mit Kindern vorzustellen, wenn man selbst ohne Kinder mit 2 Jobs kaum über die Runden kommt.

Das sind sicherlich viele der Gründe, wieso die Geburtenrate nach Unten geht – nicht zwingend weil die Frauen so heiß auf Karriere sind, sondern weil Kinder-kriegen in der heutigen Gesellschaft auch keine Alternative ist, die dank der finanziellen Hürden einfach nicht zu stemmen ist. Seit Jahrezehnten werden die Mütter älter, die wenigsten Frauen werden noch vor dem 20. Lebensjahr schwanger – und wenn, dann sehr häufig auf Grund von ‘Unfällen’ während der Verwirklichung der eigenen Sexualität.

Auch dies halte ich für einen weiteren Grund für eine sinkende Geburtenrate: Wer sagt heute schon, dass er mit Anfang 20 bereit ist, sich an eine Person (ob mit oder ohne Ehe) für die nächsten ~20 Jahre zu binden. Ein Kind ist immer und unwiederbringlich eine bleibende Verbindung zwischen zwei Personen.

Unsere Gesellschaft machte in den letzten 20 Jahren auch sexuell eine weitere große Revolution durch und steckt in vielen Bereichen noch immer in eben dieser. Das Ausleben der eigenen Sexualität ist heutzutage sehr sehr wichtig und häufig ist eben ein offenes, freies Ausleben der Sexualität vielen ‘Twens’ wichtiger als eine stabile Beziehung, wie sie früher einzig möglich gewesen wäre, weil andere Lebensweisen größtenteils verpönt waren.

Bisexuelle -, Offene -, Dreiecks-Beziehungen und so viele andere Kombinationen von potentiellen Partnern in der heutigen Zeit sind in großen Teilen der Gesellschaft glücklicherweise inzwischen akzeptiert, aber auch das führt zu einem Rückgang der Geburten, dadurch dass viele Menschen sich nicht so früh im Leben auf einen Partner oder eine bestimmte Lebensweise einschränken wollen. Experimentieren und Ausprobieren gewinnt gegen die Aussicht, vielleicht einen Fehler zu machen und dann schon bald darauf einen weiteren Beitrag zur Statistik für Scheidungen und/oder Alleinerziehende Eltern zu leisten.

Unsere Gesellschaft wurde also in den letzten Jahrzehnten nicht nur wesentlich offener und freier für die Wahl des Lebenswandels für junge Erwachsene – sie wurde leider auch wesentlich kinder-unfreundlicher.

Und in einem Punkt hat Herr Wagner nämlich Recht: Es wäre an der Zeit für die Politiker, Paaren mit Kinderwunsch genauso in ihrer Selbstverwirklichung zu unterstützen, wie Frauen, die eben gerne im Vorstand eines großen Konzern sitzen wollen.

Doch es ist ein Drahtseilakt, um den ich keinen unserer Politiker beneide, denn die andere Wahrheit ist auch: Wir haben bereits jetzt Probleme in der Kinderbetreuung und im Schulsystem – ein gesetzlich induzierter Baby-Boom könnte fatale Folgen für unsere Gesellschaft haben. Wie bei Allem, kommt es hier auf die richtige Dosis an.

Kinderkriegen zu fördern, nur um eine Statistik zu schönen ist genauso falsch, wie das Beweinen einer längst vergangenen Gesellschaftsstruktur, die andere Probleme zu bewältigen hatte.

Herzlichst,

Ursu

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