#nofucksgiven

Hallo,

dies wird eine Liebeserklärung an das Leben, meine Freunde und eine grundsätzliche Erklärung für meine Art, den Wahnsinn dieser Welt zu ertragen und täglich über meinen Schatten zu springen.

Ich habe Probleme. Mein Selbstwertgefühl geht häufig gegen Null. Ich empfinde mich nicht als attraktiv oder hübsch, geschweige denn schön. Manche würden vermutlich behaupten, ich sei sogar hässlich. Fett bin ich übrigens auch. Ich bin sehr eigen – manche würden sogar behaupten, ich sei nervig und es gibt Menschen, die mit mir nichts zu tun haben wollen. Es gab auch Leute, die auf meine offene Art nahezu tabulos über alle möglichen Themen von Sex, Fetischen bis Feminismus reden zu können, ziemlich allergisch reagieren. Kurz: Ich bin Ursu, willkommen.

Ich akzeptiere alles, was da oben steht. Denn was mir an Selbstwert fehlt, habe ich durch Akzeptanz und eine gehörige Portion #nofucksgiven kompensiert.

Doch was bedeutet das?

Das bedeutet, dass ich mich akzeptiere – so wie ich bin, mit Stärken und Schwächen, mit Nervigkeit, Offenheit, Hässlichkeit (dazu später mehr) und allem Anderen. Es gehört zu mir – es macht den Menschen Ursu aus. Das bedeutet ausserdem, dass Ich gelernt habe, die Negativität anderer Menschen selektiv zu ignorieren und nicht an mich heranzulassen. Kein Mensch ist perfekt, und ich bin ein verdammt gutes Beispiel dafür! Ich habe viele Fehler, aber halte mich trotzdem für einen der ‘Besseren’. Das hat nicht viel mit Arroganz zu tun, auch wenn es so klingt – es hat lediglich damit zu tun, dass ich versuche Dinge, die ich an anderen Menschen nicht mag, nicht auch zu tun. Das kann von der banalen Pünktlichkeit über Zuverlässigkeit bis hin zu bedingungsloser Ehrlichkeit gehen. Auch versuche ich meine Versprechen so gut es geht zu halten und kann mit Stolz von mir behaupten, dass sich meine Freunde auf mich verlassen können, wenn sie Hilfe oder Unterstützung benötigen.
Dazu in Kontrast stehen meine persönlichen Fehler, allen vorran mein (selbst verschuldetes) Übergewicht und mein beschissenes Körpergefühl. Die Tatsache, dass ich bereits in der Schulzeit immer übergewichtig war und auch über Jahre deswegen bis in die Depression gemobbt wurde ist keine Ausrede, denn ich weiß, dass ich mit mehr Disziplin schaffen könnte, mein Gewicht zu reduzieren und mit Normalgewicht sich vmtl. auch ein besseres Körpergefühl einstellen würde. Ich schaffe es nur einfach nicht, auf eine lange Zeit den Genuß, der sicherlich auch in Teilen Kompensation für Probleme in meinem Leben ist, auf ein gesünderes Maß zu reduzieren. Ich liebe Junkfood wie Pizza, Döner, McDonalds eigentlich nicht, aber häufig ist aus Stress & Zeitmangel der Anruf beim Pizzaservice oder die Fahrt vorbei an McDonalds einfacher als sich gesund zu ernähren. Ich arbeite daran, aber es ist ein langer Weg und es ist zu häufig, dass ich schwach werde.

Warum ich mich und mein Leben trotzdem liebe?

Weil ich meiner Fehler bewusst bin und diese als Teil meiner Selbst akzeptiere. Weil ich Freunde habe, die meine Stärken zu schätzen wissen und mir zeigen, dass ich kein totaler Versager bin. Weil alle Probleme es nicht wert sind, die schönen Teile des Lebens nicht zu genießen und sich zurück zu nehmen. Weil ich gelernt habe, meine Stärken zu betonen und mich von meinen Problemen und negativen Gedanken übermannen zu lassen.

Wer mir bei Twitter folgt wird mitbekommen haben, dass ich nach dem Rockharz Festival darüber sprach, dass es auch da Momente gab, wo ich mich extrem unwohl fühlte. Dies ging von purem Gefühl, unerwünscht zu sein bis hin zu fiesen Suizidgedanken, die ich nie ausführen würde, aber die nunmal manchmal in solchen Situationen da sind. Das Gefühl fehl am Platz zu sein und eher nervig als akzeptiert, das habe ich häufiger. Ich habe gelernt, dieses zu akzeptieren – es ist ein Teil von mir und ich weiß, dass es nur meine kaputte Psyche ist, die mir das einredet. Natürlich kann nicht immer jeder mit mir und nicht jeder Mensch, dem ich begegne mag mich – das ist normal. Das ist sogar wichtig, ich habe schließlich nur 24h am Tag um für meine Freunde da zu sein.
Eine ähnliche Situation hatte ich auf der Hochzeit von Sarah – inzwischen eine meiner besten Freundinnen und eine der großen ♥-Geschichten, die mir das Rockharz dieses Jahr bescherte. Wir kannten uns schon vorher, da Sie mit ihrem Verlobten (inzw.Ehemann) und ein paar Freunden nach dem ASP Konzert im März zu einem #UrsuKochtFollower zu Besuch war, aber auf dem Rockharz haben wir uns eigentlich erst so richtig kennengelernt.
Ich war mega nervös vor’m Besuch der Hochzeit. Erstens war mein Hotel 500m von der Hochzeitsfeier entfernt und ich wollte dafür nicht das Auto nutzen, zweitens trug ich Anzug mit Krawatte, was für mich echt ungewöhnlich und selten ist. Als die zuhaus vorbereitete Krawatte im Hotel noch aufging, war die Nervösität perfekt. Erstmal mit Edge im winzigen Hotelbad mit kleinem Spiegel ein Krawattenbinde-Tutorial ergooglen und irgendwie die Krawatte einigermaßen gut binden. Tja, ich mach’s kurz: Ich war mit dem Ergebnis NICHT zufrieden und fühlte mich sofort schlecht.
Das heißt in Konsequenz: Ich musste mich, allein, in einem fremden Ort Mitten in Oberfranken 500m mit einem Hochzeitsgeschenk unter’m Arm in einem Outfit, in dem ich mich nicht sehr wohl fühlte zur Hochzeitslocation aufmachen um hoffentlich Menschen zu finden, die mich vl. nicht komisch von der Seite anschauen. Da ich noch viel zu viel Zeit übrig hatte, schoss ich dann noch einen Selfie, weil ich zwar nicht mit dem Outfit zufrieden war, dies aber so akzeptieren musste – und teilte es auf Twitter.
Ich war zu keinem Zeitpunkt mit dem Selfie zufrieden und ich fand ich sah schrecklich aus. Der Krawattenknoten war nicht, wie ich ihn mir gewünscht hätte, der Anzug saß komisch und zu allem Überschuss fing ich an zu schwitzen, was bedeutete, dass ich die Haare nicht offen tragen wollte. Mit einem halb erzwungenen Lächeln entstand dann dieser Selfie: Selfie! Wieso ich ihn trotzdem gepostet habe? Mir selbst Mut machen! #nofucksgiven bedeutet über seinen Schatten zu springen, seine eigenen Macken zu nehmen, zu akzeptieren und sich nicht zu ernst zu nehmen! Es war mein Schritt vor die Tür, vor dem Schritt vor die Tür – wenn meine 1000+ Follower meine Fresse sehen und damit gut leben können, dann überlebe ich die 500m und die vielen mir bisher unbekannten Menschen auf der Hochzeit auch. Natürlich ist das Alles einfacher gesagt als getan und auch auf der Hochzeit fühlte ich mich anfangs wirklich fehl am Platz und unwohl. Eine große Hilfe war, als Alex (aka @rubberduckweb) mich nicht mehr ganz allein rumstehen ließ und ich jemanden hatte, den ich zwar bisher nur von Twitter kannte, aber dafür schon einige Jahre. Nach und nach kamen dann immer mehr von Sarahs Freunden dazu, die ich bereits von #UrsuKochtFollower oder dem Rockharz kannte. Mir ging es besser, wenn auch mein Outfit mich verrückt machte. Ich bin im Grunde meines Herzens Perfektionist und konnte kaum erwarten, die Krawatte und das Jackett später abzulegen. Im Hemd allein fühlte ich mich dann schon wesentlich wohler. Auf Sarahs Wunsch wurde ich ausserdem kurzfristig mit an den Brauttisch gesetzt – absolut in den Mittelpunkt. Ihr dürft drei Mal raten, wo ich mich nicht sonderlich wohl fühle! Genau, im Mittelpunkt – aber da es Sarahs ausdrücklicher Wunsch war und ich inzw. Großmeister im Unwohlsein ignorieren oder überspielen bin, war alles gut.
So erging es mir eigentlich den ganzen Abend. Ich sprang von Schatten zu Schatten über meine Sorgen, meine Fehler, mein fehlendes Selbstwertgefühl – direkt auf die Tanzfläche.

Das Gefühl, doof auszusehen. Das Gefühl, nicht tanzen zu können. Das Gefühl, sich zum Affen zu machen. Das Gefühl, dass alle Augen auf einem liegen und die Leute einen innerlich auslachen. Es war die ganze Zeit da. Die ganzen zweieinhalb Stunden auf der Tanzfläche – mit kurzen Pausen. Aber es war egal. Was zählte, war ich. Der Kampf gegen mein Selbst. Der Sieg über meine Fehler. Der Sieg über die Vorurteile, die sich über die Jahre in mein Hirn gebohrt haben. Ich werde vermutlich nie ein Mensch sein, der von sich selbst behauptet, schön zu sein – aber das muss ich nicht. Was ich muss habe ich bereits sehr gut gelernt.

I don’t give a fuck!

Es ist egal, wie oberflächlich manche Menschen dich beurteilen. Niemand weiß, was wirklich in dir vorgeht. Niemand weiß von deinem inneren Kampf und wieviel Kraft du aufwenden musst, um über deinen Schatten zu springen – und wieviel Kraft dir dieser Sieg über dich selbst schenkt. Wie unglaublich gut es tut, sich überwunden zu haben. Ich hatte eine der besten Nächte dieses Jahres auf der Hochzeit. Ich habe jeden Moment auf der Tanzfläche genoßen, auch wenn ich häufig mehr am Rand getanzt habe – man kann eben nicht aus seiner Haut. Ich möchte mich hierbei auch unbedingt bei Tina, Sarahs bester Freundin, bedanken. Sie kam mehrfach auf mich zu und hat mich näher in den Kreis der Tanzenden gezogen und mir damit gezeigt, dass ich dazugehöre und akzeptiert werde, selbst wenn ich große Probleme hatte, das zu akzeptieren.

Es ist schwer in Worte zu fassen, wieviel es mir wirklich bedeutet und wie unglaublich dankbar ich dafür bin, dass ich auf Sarahs Hochzeit sein und an diesem unvergesslichen Abend teilhaben durfte.

Es war ein Kampf, eine Schlacht. Ein Krieg gegen die inneren Dämonen, gegen Alle, die mir in meinem Leben weh taten, gegen alle oberflächlichen Arschlöcher, die nur das Äussere sehen und einen Menschen deswegen in eine Schublade stecken! SPOILER: Ich bin zu fett für eure Schubladen! Fuck you! I win!

Jeder Tag, jeder Moment, jeder Schritt vor die Tür ist ein Kampf, wenn man sich von der Gesellschaft ausgeschlossen und nicht akzeptiert fühlt. Und jeder verdammte Sieg, den ich erringe, macht mich zu einem stärkeren Menschen! Jeder Schritt, an dem ich erhobenen Hauptes in der Öffentlichkeit mit Menschen zu tun habe, die potentiell auf Grund meines Äusseren eine vorbestimmte Meinung zu mir haben, macht mich stärker.

Und mit jedem Funken Stärke wird es leichter – auch wenn es ein verdammt weiter Weg ist – bis ich mich nicht nur akzeptiere, sondern vielleicht sogar mag. Meine Freunde sind dabei der größte Grund, wieso ich diesen Kampf immer und immer und immer wieder führe. Wieso ich nie aufgegeben habe, auch wenn ich häufig daran dachte. Wieso ich nie aufgeben werde – versprochen!

Danke an die wunderschönen Menschen Sarah, Tina, Martin, Alex, Jo, Phil, Mel, Volker, Paolo, Marco, Gabe, Sophia, Fabian, Max, Christopher, Günther, Nils, Sonja, Julia, Mona, Ramona, Michael, Kathi, Kathrin, Markus, Edit, Sophia, Shirley, Sebastian, Torsten, Becky, Sandra, Uschi, Sophie, Heyko, Steffi, Silke, Yade, Uwe, Jule, Flo und viele viele Weitere, für die sich jeder Moment Kampf gelohnt hat.

Ich werde auch weiterhin kämpfen!

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2 thoughts on “#nofucksgiven

  1. Miss Evil says:

    Ein toller Text und eine sehr gute Einstellung. Sich von seinem inneren Kritiker nicht an die Wand spielen zu lassen, ist verdammt schwer und das scheinst du ja wirklich gemeistert zu haben. Also wirst du den Rest früher oder später auch packen.
    Großen Respekt!

  2. Elena says:

    Hey Ursu =)

    Dein Blogpost hat mich schwer beeindruckt!

    Das liegt nicht nur daran, dass du eine Reflektiertheit an den Tag legst, von denen viele Menschen nur träumen können. Viel erstaunlicher finde ich die Aufdröselung, wie du von einem Schatten zum nächsten hüpfst und diese irgendwie versuchst zu überwinden. Wie oft hört man dieses “den eigenen Schweinehund überwinden” und trotzdem bleiben die Meisten auf der Stelle stehen, wagen keine Neuanfänge oder neue Erfahrungen. Schlussendlich lassen sie sich von ihrer eigenen Meinung über sich handlungsunfähig machen.
    Doch was mich sonst so stummes Mitleserlein dazu bewegt hat, diesen Kommentar zu verfassen, war mehr die Tatsache, dass ich mich in irgendeiner Weise mit deinem Text identifizieren konnte. Er gab mir ein paar Denkanstöße über eine andere mögliche Sicht der Dinge. Dafür ein fettes Danke!

    Als letzte abrundende Worte möchte ich dir noch einen fetten Respekt dafür aussprechen, dass du den Eintrag mit der Welt geteilt hast! Auch wenn das vielleicht komisch klingen mag, kann deine Einstellung sicherlich eine Vorbildfunktion einnehmen! Respekt.

    In dem Sinne.
    Grüße,
    ich aka Aerithx3x3

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